
Suche Lover, biete Warteschlange
„Bevor ich 67 werde – im nächsten März – möchte ich gern viel Sex mit einem Mann haben, den ich mag. Falls du vorher reden willst: Trollope ist mein Lieblingsautor.“ So lautete die Anzeige der pensionierten Englischlehrerin Jane Juska, geschaltet im Herbst 1999 in der New York Review of Books. Da war Jane Juska 66.
Der Text reicht, damit die Fantasie komplett durchdreht. Was für eine Frau denkt sich so eine Anzeige aus? Welche Männer antworten darauf? Warum wollte sie das? Hat sie bekommen, was sie wollte? Oder wurde sie eine Woche später ausgeraubt und ermordet in einer Gasse gefunden?
Auf solche Fragen bekommt man als Leserin normalerweise keine Antwort. Aber die Frau, die diese Anzeige aufgab, schrieb 2003 ein Buch darüber: A Round-Heeled Woman: My Late-Life Adventures in Sex and Romance. Die deutsche Ausgabe erschien unter dem etwas braven Titel „Die Frau, die nicht nein sagen wollte“ und ist nur noch antiquarisch zu bekommen. Ich hatte nie davon gehört. Ich hätte auch nie davon erfahren, wenn ich nicht kürzlich in einer amerikanischen Zeitung gelesen hätte, dass Jane Juska, so hieß sie, Ende 2017 im Alter von 84 Jahren gestorben ist, nach einem faszinierenden Leben.
Sie wird 1933 geboren, wächst in einer puritanischen Familie in einem Kaff in Ohio auf, heiratetejung, um dort wegzukommen, und läßt sich 1972 nach einer lieblosen Ehe scheiden. Sie zieht ihren Sohn allein groß und findet ihre Leidenschaft in ihrer Arbeit. Die 27 Jahre nach ihrer Scheidung hat sie ein nicht existentes Sexleben – und davor war es anscheinend auch nicht viel gewesen.
Arbeit kann noch so sehr Leidenschaft sein, irgendwann sehnt man sich doch vielleicht nach einem Mann. Wo findet man den mit 66? Die konventionellen Arten, in ihrem Alter zu daten – Wandergruppen für Ältere, Vogelbeobachtung für Ältere, Begegnungsstätten für Ältere, sie hängt sogar im Baumarkt herum – bringen nichts. Online-Dating gibt es noch kaum. Außerdem will sie keinen neuen Ehemann, dessen dreckige Socken sie waschen muss. Was sie will, ist berührt zu werden. Was sie will, ist das, was sie nie bekommen hat: guten, liebevollen Sex mit jemandem, den sie mag.
Eines Abends sieht sie im Kino einen alten französischen Film: Conte d’hiver. Darin setzt eine Frau für eine Freundin mittleren Alters eine Kontaktanzeige in eine Zeitung. Warum, denkt Jane, mache ich so etwas nicht auch einfach? Sie entscheidet sich für die noble Literaturzeitschrift „The New York Review of Books“, die sie selbst liest, in der Hoffnung, damit intelligente Männer anzuziehen, die ihre Liebe zur Literatur teilen. Sie muss ihre Worte sorgfältig wählen: Die kosten nämlich 4,55 Dollar pro Stück, und reich ist sie nicht. An dem Abend, an dem sie die Anzeige abschickt, fühlt sie sich großartig: „Ich wollte die Frau werden, die ich nie gewesen war, eine Frau, die Intimität mit einem Mann genießt, statt sich davor zu fürchten.“
Die Anzeige ist ein Volltreffer: Jane bekommt 63 Briefe von Männern zwischen 32 und 85. Einer schickt ein Nacktfoto von sich, nur mit Sonnenbrille, plus ein Gedicht über seine Abscheu vor älteren Frauen. Ein anderer gesteht, dass er verheiratet ist. Ein 72-jähriger Mann, der in einer vornehmen Gegend wohnt, teilt lediglich mit, dass er sehr geil sei. Die Gegend ist gut, aber das unelegante Wort „geil“ ruiniert alles. Solche Männer landen auf dem Nein-Stapel. Jane wird davon nicht traurig, sondern fröhlich: Sie genießt die Macht, die sie sich selbst gegeben hat, die Männer selbst auszuwählen. Außerdem gibt es den Ja-Stapel, voll mit Männern unterschiedlichen Alters, verschiedener Berufe und Wohnorte, aber mit einer Gemeinsamkeit: Sie schreiben schön. Jane wird von einem guten Satz genauso erregt wie vom Körper eines Mannes.
Was folgt, sind neun ernsthafte Verabredungen, die nicht alle im Bett enden. Jane bleibt auf abenteuerliche Weise kritisch: Auch wenn sie einen Mann nicht attraktiv findet, ist sie neugierig auf ihn. Aber wenn sie nicht mit ihm schlafen will, sagt sie das einfach. Es ist schließlich ihr Abenteuer, und sie bestimmt, was sie will. Am Ende bleibt eine Handvoll Liebhaber übrig – für eine Nacht oder für länger.
Nicht, dass sie es immer leicht findet, sich vor einem neuen Mann auszuziehen. Aber sie tut es, immer wieder, um ihre Lust und ihre Neugier zu stillen. Und nicht alle Männer entpuppen sich als Volltreffer. Da ist Jonah, der 82 ist – in seiner Mail hatte er geschrieben, er sei „ein klein wenig älter“ als sie – und ihre Champagnergläser und ihre seidene Pyjamahose klaut. Oder der gut aussehende 72-jährige Robert: Er nimmt sie mit in die Oper, fragt nach ihren sexuellen Fantasien und ist einer der begabtesten Liebhaber, die sie je haben wird. Jane verliebt sich in ihn, er sich aber nicht in sie. Also trennt sie sich von ihm.
Trotzdem findet sie auch die Enttäuschungen lehrreich. Und sie hat Humor, das hilft. Außerdem hat sie noch genug schöne Briefe übrig: Sie schläft mit Sidney, einem eigenartigen New Yorker, nach mehreren Dates im Konferenzraum seines Büros; mit dem charmanten John, einem Einsiedler in New England, der Bonbons lutscht – er versucht, mit dem Rauchen aufzuhören –, während er sie oral befriedigt. Mit Matt hat sie Telefonsex: Mit seiner wunderbaren, verführerischen Stimme spricht er über alle möglichen Stellungen und zitiert Gedichte.
Die Männer kommen nicht alle nacheinander an die Reihe. Jane führt parallele Beziehungen. Warum sollte sie einem einzigen Mann „treu“ sein? Sie genießt ihre sexuellen Abenteuer viel zu sehr. Außerdem will sie mit ihrer prüden Erziehung abrechnen. Endlich fordert sie all die Begierden ein, die ihr Leben lang unterdrückt wurden. Sie gibt zu, dass Männerhintern sie erregen, lange muskulöse Beine, diese flache Stelle unter dem Bauchnabel, ihre Penisse. Bei manchen Frauen verschwindet dieses Verlangen in den Wechseljahren. Jane aber ist nur mutiger geworden. Sie hat etwas nachzuholen.
Der schönste Liebhaber ist Graham, 32. Er hatte noch nie eine Frau, die älter war als er, und er hatte auch noch nie auf eine Kontaktanzeige geantwortet. Aber ihre Worte faszinieren ihn. In seinem ersten Brief schreibt er, Sex sei für ihn „extrem wichtig“, „und meine Fähigkeiten sind ziemlich groß“. Die Unterhaltung beginnt per E-Mail, dann am Telefon, dann erst treffen sie sich. Sie lieben dieselben Schriftsteller und reden gern darüber. Graham ist nicht nur einer der intellektuellsten Männer, die sie kennenlernt, er ist auch verdammt gut aussehend: groß, grüne Augen, schamlos erotisch. Als er ihr ein Glas Wein einschenkt, sagt er, dass er selbst nicht trinkt: Er habe keine Hemmungen, also müsse er auch keine abbauen. Am Abend, als sie sich laut fragt, was ein junger Mann wie er mit einer alten Frau mit dickem Bauch will, legt er sie auf ihr Hotelbett, kniet sich vor sie und sagt ihr, wie sexy sie ist.
Am Ende stehen Alter und Entfernung doch zwischen ihnen. Knapp zwei Jahre nach ihrer ersten Begegnung heiratet Graham eine Frau in seinem Alter, in seiner Stadt. Janes Herz ist wieder gebrochen, aber sie bleibt mit Graham befreundet. Bis ans Ende ihres Lebens besucht er sie gelegentlich, sie machen lange Spaziergänge und sprechen über Beziehungen, Schreiben, Bücher, Liebe. Er ist ihre Muse, sie ist seine beste Freundin.
Und die anderen Männer kommen weiter – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Auch als ihr Buch erschienen ist, rufen sie an, kommen zu ihren Lesungen und Signierstunden. Manche glauben, sie sei leicht zu haben – die haben also gar nichts verstanden. Mit anderen Männern kann sie gut reden, wie mit dem Mann, der aussieht wie ein älterer Clark Gable. Er sagt, er sei verheiratet, verspricht ihr aber, ihr so viel von sich zu geben, wie sie nur ertragen könne. Wäre sie 50 gewesen, wäre sie schreiend weggerannt. Aber jetzt, Mitte 70, sind Sex und Gesellschaft in ihrem Leben willkommen.
Als Jane Juska schließlich auf ihr Leben nach der Anzeige zurückblickte, konnzr sie nur zufrieden sein. Die Affären und Flirts haben ihr Leben verändert. Sie hat intellektuelle Partner gefunden, Männer, die nach ihrer Meinung fragen, was sie fast so aufregend findet wie Sex. In einem Interview sagt sie: „Ich dachte, ich könnte ermordet oder zusammengeschlagen werden, ich könnte mir eine Krankheit holen oder traurig davon werden. Aber ich dachte auch, ich könnte sehr glücklich davon werden, gute Gesellschaft finden. Und genau das ist passiert. Ich habe intime Freundschaften mit außergewöhnlichen Männern gepflegt. Ja, ich habe Männer kennengelernt, die nicht nett oder aufmerksam waren. Aber auch Männer, die nett und aufmerksam und lustig und echt waren. Ich glaube, ich habe entdeckt, dass Männer auch Menschen sind.“ Dann kicherte sie: „Die Art Menschen, die ich am liebsten nackt sehe.“

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Suche Lover, biete Warteschlange
„Bevor ich 67 werde – im nächsten März – möchte ich gern viel Sex mit einem Mann haben, den ich mag. Falls du vorher reden willst: Trollope ist mein Lieblingsautor.“ So lautete die Anzeige der pensionierten Englischlehrerin Jane Juska, geschaltet im Herbst 1999 in der New York Review of Books. Da war Jane Juska 66.
Der Text reicht, damit die Fantasie komplett durchdreht. Was für eine Frau denkt sich so eine Anzeige aus? Welche Männer antworten darauf? Warum wollte sie das? Hat sie bekommen, was sie wollte? Oder wurde sie eine Woche später ausgeraubt und ermordet in einer Gasse gefunden?
Auf solche Fragen bekommt man als Leserin normalerweise keine Antwort. Aber die Frau, die diese Anzeige aufgab, schrieb 2003 ein Buch darüber: A Round-Heeled Woman: My Late-Life Adventures in Sex and Romance. Die deutsche Ausgabe erschien unter dem etwas braven Titel „Die Frau, die nicht nein sagen wollte“ und ist nur noch antiquarisch zu bekommen. Ich hatte nie davon gehört. Ich hätte auch nie davon erfahren, wenn ich nicht kürzlich in einer amerikanischen Zeitung gelesen hätte, dass Jane Juska, so hieß sie, Ende 2017 im Alter von 84 Jahren gestorben ist, nach einem faszinierenden Leben.
Sie wird 1933 geboren, wächst in einer puritanischen Familie in einem Kaff in Ohio auf, heiratetejung, um dort wegzukommen, und läßt sich 1972 nach einer lieblosen Ehe scheiden. Sie zieht ihren Sohn allein groß und findet ihre Leidenschaft in ihrer Arbeit. Die 27 Jahre nach ihrer Scheidung hat sie ein nicht existentes Sexleben – und davor war es anscheinend auch nicht viel gewesen.
Arbeit kann noch so sehr Leidenschaft sein, irgendwann sehnt man sich doch vielleicht nach einem Mann. Wo findet man den mit 66? Die konventionellen Arten, in ihrem Alter zu daten – Wandergruppen für Ältere, Vogelbeobachtung für Ältere, Begegnungsstätten für Ältere, sie hängt sogar im Baumarkt herum – bringen nichts. Online-Dating gibt es noch kaum. Außerdem will sie keinen neuen Ehemann, dessen dreckige Socken sie waschen muss. Was sie will, ist berührt zu werden. Was sie will, ist das, was sie nie bekommen hat: guten, liebevollen Sex mit jemandem, den sie mag.
Eines Abends sieht sie im Kino einen alten französischen Film: Conte d’hiver. Darin setzt eine Frau für eine Freundin mittleren Alters eine Kontaktanzeige in eine Zeitung. Warum, denkt Jane, mache ich so etwas nicht auch einfach? Sie entscheidet sich für die noble Literaturzeitschrift „The New York Review of Books“, die sie selbst liest, in der Hoffnung, damit intelligente Männer anzuziehen, die ihre Liebe zur Literatur teilen. Sie muss ihre Worte sorgfältig wählen: Die kosten nämlich 4,55 Dollar pro Stück, und reich ist sie nicht. An dem Abend, an dem sie die Anzeige abschickt, fühlt sie sich großartig: „Ich wollte die Frau werden, die ich nie gewesen war, eine Frau, die Intimität mit einem Mann genießt, statt sich davor zu fürchten.“
Die Anzeige ist ein Volltreffer: Jane bekommt 63 Briefe von Männern zwischen 32 und 85. Einer schickt ein Nacktfoto von sich, nur mit Sonnenbrille, plus ein Gedicht über seine Abscheu vor älteren Frauen. Ein anderer gesteht, dass er verheiratet ist. Ein 72-jähriger Mann, der in einer vornehmen Gegend wohnt, teilt lediglich mit, dass er sehr geil sei. Die Gegend ist gut, aber das unelegante Wort „geil“ ruiniert alles. Solche Männer landen auf dem Nein-Stapel. Jane wird davon nicht traurig, sondern fröhlich: Sie genießt die Macht, die sie sich selbst gegeben hat, die Männer selbst auszuwählen. Außerdem gibt es den Ja-Stapel, voll mit Männern unterschiedlichen Alters, verschiedener Berufe und Wohnorte, aber mit einer Gemeinsamkeit: Sie schreiben schön. Jane wird von einem guten Satz genauso erregt wie vom Körper eines Mannes.
Was folgt, sind neun ernsthafte Verabredungen, die nicht alle im Bett enden. Jane bleibt auf abenteuerliche Weise kritisch: Auch wenn sie einen Mann nicht attraktiv findet, ist sie neugierig auf ihn. Aber wenn sie nicht mit ihm schlafen will, sagt sie das einfach. Es ist schließlich ihr Abenteuer, und sie bestimmt, was sie will. Am Ende bleibt eine Handvoll Liebhaber übrig – für eine Nacht oder für länger.
Nicht, dass sie es immer leicht findet, sich vor einem neuen Mann auszuziehen. Aber sie tut es, immer wieder, um ihre Lust und ihre Neugier zu stillen. Und nicht alle Männer entpuppen sich als Volltreffer. Da ist Jonah, der 82 ist – in seiner Mail hatte er geschrieben, er sei „ein klein wenig älter“ als sie – und ihre Champagnergläser und ihre seidene Pyjamahose klaut. Oder der gut aussehende 72-jährige Robert: Er nimmt sie mit in die Oper, fragt nach ihren sexuellen Fantasien und ist einer der begabtesten Liebhaber, die sie je haben wird. Jane verliebt sich in ihn, er sich aber nicht in sie. Also trennt sie sich von ihm.
Trotzdem findet sie auch die Enttäuschungen lehrreich. Und sie hat Humor, das hilft. Außerdem hat sie noch genug schöne Briefe übrig: Sie schläft mit Sidney, einem eigenartigen New Yorker, nach mehreren Dates im Konferenzraum seines Büros; mit dem charmanten John, einem Einsiedler in New England, der Bonbons lutscht – er versucht, mit dem Rauchen aufzuhören –, während er sie oral befriedigt. Mit Matt hat sie Telefonsex: Mit seiner wunderbaren, verführerischen Stimme spricht er über alle möglichen Stellungen und zitiert Gedichte.
Die Männer kommen nicht alle nacheinander an die Reihe. Jane führt parallele Beziehungen. Warum sollte sie einem einzigen Mann „treu“ sein? Sie genießt ihre sexuellen Abenteuer viel zu sehr. Außerdem will sie mit ihrer prüden Erziehung abrechnen. Endlich fordert sie all die Begierden ein, die ihr Leben lang unterdrückt wurden. Sie gibt zu, dass Männerhintern sie erregen, lange muskulöse Beine, diese flache Stelle unter dem Bauchnabel, ihre Penisse. Bei manchen Frauen verschwindet dieses Verlangen in den Wechseljahren. Jane aber ist nur mutiger geworden. Sie hat etwas nachzuholen.
Der schönste Liebhaber ist Graham, 32. Er hatte noch nie eine Frau, die älter war als er, und er hatte auch noch nie auf eine Kontaktanzeige geantwortet. Aber ihre Worte faszinieren ihn. In seinem ersten Brief schreibt er, Sex sei für ihn „extrem wichtig“, „und meine Fähigkeiten sind ziemlich groß“. Die Unterhaltung beginnt per E-Mail, dann am Telefon, dann erst treffen sie sich. Sie lieben dieselben Schriftsteller und reden gern darüber. Graham ist nicht nur einer der intellektuellsten Männer, die sie kennenlernt, er ist auch verdammt gut aussehend: groß, grüne Augen, schamlos erotisch. Als er ihr ein Glas Wein einschenkt, sagt er, dass er selbst nicht trinkt: Er habe keine Hemmungen, also müsse er auch keine abbauen. Am Abend, als sie sich laut fragt, was ein junger Mann wie er mit einer alten Frau mit dickem Bauch will, legt er sie auf ihr Hotelbett, kniet sich vor sie und sagt ihr, wie sexy sie ist.
Am Ende stehen Alter und Entfernung doch zwischen ihnen. Knapp zwei Jahre nach ihrer ersten Begegnung heiratet Graham eine Frau in seinem Alter, in seiner Stadt. Janes Herz ist wieder gebrochen, aber sie bleibt mit Graham befreundet. Bis ans Ende ihres Lebens besucht er sie gelegentlich, sie machen lange Spaziergänge und sprechen über Beziehungen, Schreiben, Bücher, Liebe. Er ist ihre Muse, sie ist seine beste Freundin.
Und die anderen Männer kommen weiter – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Auch als ihr Buch erschienen ist, rufen sie an, kommen zu ihren Lesungen und Signierstunden. Manche glauben, sie sei leicht zu haben – die haben also gar nichts verstanden. Mit anderen Männern kann sie gut reden, wie mit dem Mann, der aussieht wie ein älterer Clark Gable. Er sagt, er sei verheiratet, verspricht ihr aber, ihr so viel von sich zu geben, wie sie nur ertragen könne. Wäre sie 50 gewesen, wäre sie schreiend weggerannt. Aber jetzt, Mitte 70, sind Sex und Gesellschaft in ihrem Leben willkommen.
Als Jane Juska schließlich auf ihr Leben nach der Anzeige zurückblickte, konnzr sie nur zufrieden sein. Die Affären und Flirts haben ihr Leben verändert. Sie hat intellektuelle Partner gefunden, Männer, die nach ihrer Meinung fragen, was sie fast so aufregend findet wie Sex. In einem Interview sagt sie: „Ich dachte, ich könnte ermordet oder zusammengeschlagen werden, ich könnte mir eine Krankheit holen oder traurig davon werden. Aber ich dachte auch, ich könnte sehr glücklich davon werden, gute Gesellschaft finden. Und genau das ist passiert. Ich habe intime Freundschaften mit außergewöhnlichen Männern gepflegt. Ja, ich habe Männer kennengelernt, die nicht nett oder aufmerksam waren. Aber auch Männer, die nett und aufmerksam und lustig und echt waren. Ich glaube, ich habe entdeckt, dass Männer auch Menschen sind.“ Dann kicherte sie: „Die Art Menschen, die ich am liebsten nackt sehe.“





