| Leben| 30 Juni 2026|

Mit der Freundin meines Sohnes kann ich gar nichts anfangen

Der älteste Sohn von Marie, 50, hat eine Freundin und macht keinen Schritt mehr ohne sie. „Wir nennen sie Mäuschen-Meike“

„Schön, ein Mädchen mehr im Haus, dachte ich noch, als mein Ältester mir so nebenbei mitteilte, dass er eine Freundin habe. Ich habe drei Söhne, und obwohl ich mich in meinem Männerhaushalt bestens behaupte, ist eine weibliche Note mehr als willkommen.

Als sie dann eines Tages leibhaftig bei uns am Küchentisch saß, kam kein besonders sprühendes Gespräch in Gang. Meike sagte keinen Mucks, und wenn ich etwas fragte, kam eine einsilbige Antwort zurück. Ich schob es darauf, dass sie vielleicht nervös war wegen der Begegnung mit ihrer ‚Schwiegermutter‘.

Beim zweiten Versuch kam sie zum Essen. Meike wollte unbedingt, dass Jesse neben ihr saß, und dann kroch sie ihm praktisch auf den Schoß. Zugegeben, bei uns am Tisch geht es ziemlich laut zu. Die Diskussionen können hochkochen, und alle geben ihren Senf dazu. Meine Jungs waren wirklich sehr nett zu ihr, machten etwas weniger derbe Witze als sonst und benahmen sich ausgesprochen zuvorkommend. Aber es war, als wollte sie in Jesse hineinkriechen. Sobald sie vom Tisch aufstehen konnten, flüchteten die beiden sofort nach oben.

Sie sind immer zusammen. Wenn sie unten auf dem Sofa sitzen, halten sie Händchen oder hängen ineinander verknotet da. Geht mein Sohn zum Fußball, steht Meike am Spielfeldrand. Die Horde Jungs, die früher ständig bei uns ein- und ausging, sehe ich nicht mehr. Er geht mit ihr auf Partys, und sie gehen – Gott steh uns bei – zusammen zum Tanzkurs. Und in der Schule sitzen sie auch noch aufeinander.

Mein Sohn hat sich verändert. Wenn er etwas sagt, denke ich: Kommt das jetzt wirklich von ihm, oder ist das ihre Idee? Plötzlich isst er vegetarisch, und sie wollen mit einem kleinen Zelt eine Fahrradtour machen, obwohl vorher ein Sonne-Saufen-Krankenhaus-Urlaub mit seinen Freunden in Albufeira auf dem Programm stand.

Okay, ich muss jetzt keine Angst mehr vor Komasaufen haben oder davor, dass er von einem Balkon in einen Pool springt. Aber das ist nicht mein Sohn, dieser Haudrauf, der immer für einen Spaß zu haben war. Er sitzt auf dem Sofa oder in seinem Zimmer mit Mäuschen-Meike, wie mein Mann und ich sie nennen.

Er macht dieses Jahr Abitur und plant, danach ein Gap Year zu nehmen. Wir sagen: Geh reisen, entdecke die Welt. Aber er will zu Hause bleiben und arbeiten, damit er bei Meike bleiben kann. Und findet, wir sollen uns nicht in sein Leben einmischen.
Je mehr wir auf ihn einreden, desto fester klammert er sich an Meike. Deshalb bin ich zuckersüß zu ihr und backe Spinatquiches und Zucchinipuffer. Ich habe ihr sogar ein Geschenk zum Geburtstag gekauft.

Ich hoffe so sehr, dass es aus ist und mein Sohn anfängt zu leben. Dass er mit dreißig nach Hause kommt und eine tolle Frau mitbringt. Einen robusten Typ, der rein gar nichts mit Mäuschen-Meike gemeinsam hat.“

Text: Monica Oliveira

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| 30 Juni 2026| Leben|

Mit der Freundin meines Sohnes kann ich gar nichts anfangen

Der älteste Sohn von Marie, 50, hat eine Freundin und macht keinen Schritt mehr ohne sie. „Wir nennen sie Mäuschen-Meike“

„Schön, ein Mädchen mehr im Haus, dachte ich noch, als mein Ältester mir so nebenbei mitteilte, dass er eine Freundin habe. Ich habe drei Söhne, und obwohl ich mich in meinem Männerhaushalt bestens behaupte, ist eine weibliche Note mehr als willkommen.

Als sie dann eines Tages leibhaftig bei uns am Küchentisch saß, kam kein besonders sprühendes Gespräch in Gang. Meike sagte keinen Mucks, und wenn ich etwas fragte, kam eine einsilbige Antwort zurück. Ich schob es darauf, dass sie vielleicht nervös war wegen der Begegnung mit ihrer ‚Schwiegermutter‘.

Beim zweiten Versuch kam sie zum Essen. Meike wollte unbedingt, dass Jesse neben ihr saß, und dann kroch sie ihm praktisch auf den Schoß. Zugegeben, bei uns am Tisch geht es ziemlich laut zu. Die Diskussionen können hochkochen, und alle geben ihren Senf dazu. Meine Jungs waren wirklich sehr nett zu ihr, machten etwas weniger derbe Witze als sonst und benahmen sich ausgesprochen zuvorkommend. Aber es war, als wollte sie in Jesse hineinkriechen. Sobald sie vom Tisch aufstehen konnten, flüchteten die beiden sofort nach oben.

Sie sind immer zusammen. Wenn sie unten auf dem Sofa sitzen, halten sie Händchen oder hängen ineinander verknotet da. Geht mein Sohn zum Fußball, steht Meike am Spielfeldrand. Die Horde Jungs, die früher ständig bei uns ein- und ausging, sehe ich nicht mehr. Er geht mit ihr auf Partys, und sie gehen – Gott steh uns bei – zusammen zum Tanzkurs. Und in der Schule sitzen sie auch noch aufeinander.

Mein Sohn hat sich verändert. Wenn er etwas sagt, denke ich: Kommt das jetzt wirklich von ihm, oder ist das ihre Idee? Plötzlich isst er vegetarisch, und sie wollen mit einem kleinen Zelt eine Fahrradtour machen, obwohl vorher ein Sonne-Saufen-Krankenhaus-Urlaub mit seinen Freunden in Albufeira auf dem Programm stand.

Okay, ich muss jetzt keine Angst mehr vor Komasaufen haben oder davor, dass er von einem Balkon in einen Pool springt. Aber das ist nicht mein Sohn, dieser Haudrauf, der immer für einen Spaß zu haben war. Er sitzt auf dem Sofa oder in seinem Zimmer mit Mäuschen-Meike, wie mein Mann und ich sie nennen.

Er macht dieses Jahr Abitur und plant, danach ein Gap Year zu nehmen. Wir sagen: Geh reisen, entdecke die Welt. Aber er will zu Hause bleiben und arbeiten, damit er bei Meike bleiben kann. Und findet, wir sollen uns nicht in sein Leben einmischen.
Je mehr wir auf ihn einreden, desto fester klammert er sich an Meike. Deshalb bin ich zuckersüß zu ihr und backe Spinatquiches und Zucchinipuffer. Ich habe ihr sogar ein Geschenk zum Geburtstag gekauft.

Ich hoffe so sehr, dass es aus ist und mein Sohn anfängt zu leben. Dass er mit dreißig nach Hause kommt und eine tolle Frau mitbringt. Einen robusten Typ, der rein gar nichts mit Mäuschen-Meike gemeinsam hat.“

Text: Monica Oliveira