
Elke, 50: „Auf keinen Fall erzähle ich ihm, dass ich in den Wechseljahren bin“
Elke, 50, ist seit vier Jahren in den Wechseljahren – und ihr Mann weiß nichts davon: „Ich habe Angst, dass er mich dann nicht mehr sexy findet.“
Die Schublade des Badezimmerschranks schließt nicht richtig. Genervt drücke ich sie zu. Sofort springt sie wieder auf. Ich drücke noch fester. Offenbar steckt hinten irgendetwas fest. Ich ziehe die Schublade ganz heraus, zwänge meine Hand zwischen Rückseite und Schrankwand und fuchtle mit dem Arm in dem entstandenen Hohlraum herum. Moment, da ist etwas. Eine Pappschachtel. Ich ziehe daran. Der Karton reißt und mein Arm schnellt mit voller Wucht zurück. Lange weiße Hülsen fliegen durch die Gegend. Tampons! Ich wusste gar nicht, dass ich noch welche hatte.
Als meine Periode zum ersten Mal ausblieb, dachte ich: Scheiße, ich bin schwanger. Mit Dampf aus den Ohren rannte ich zur Drogerie und kaufte einen Schwangerschaftstest. Die Hausmarke. Ich konnte es nicht fassen. Vielleicht doch noch ein Nachzügler. Zu Hause machte ich den Test. Nur ein Strich. Wie konnte das sein? Ich raste zurück zur Drogerie und kaufte einen neuen Test. Diesmal von einer richtigen Marke. Zweiter Versuch. Wieder nicht schwanger. Ich war erleichtert. Und auch ein bisschen enttäuscht. Wäre doch eigentlich ganz schön gewesen, noch so ein kleiner Wonneproppen. Aber was war dann los? Ich vereinbarte einen Termin bei meiner Hausärztin und erzählte ihr besorgt von meinen Testabenteuern. Sie sah mich lachend an und sagte: „Mensch, das ist dein Alter.“
Plötzlich fühlte ich mich alt und welk. Die Frau, deren Eier aufgebraucht sind. Die Frau, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Monate vergingen. Ab und zu kam doch noch ein bisschen Blut. Hurra, ich war also noch nicht völlig abgeschrieben.
Jetzt bin ich fünfzig und seit vier Jahren nicht mehr richtig menstruierend. Mit meinen Freundinnen spreche ich darüber, mit meinem Mann nie. Er hat keine Ahnung. Würde er mich direkt fragen, würde ich ihn nicht anlügen. Das wäre ja völlig absurd. Aber von mir aus einfach so damit anfangen? Mache ich auch nicht. Ich will nicht, dass er mich für alt und ausrangiert hält. Was natürlich lächerlich ist. Das weiß ich selbst.
Ich vertusche sämtliche Anzeichen. Zum Beispiel meine Stimmungsschwankungen. Erst letztes Wochenende. Ich hatte Lust auf Sex, aber dann legte sich mein Mann nach dem Boxtraining für eine halbe Stunde aufs Sofa. Das machte mich wahnsinnig. Warum musste er ausgerechnet jetzt auf dem Sofa liegen? Endlich hatten wir Zeit für einen Quickie, und der Typ legt sich hin und pennt. Fand er mich überhaupt noch attraktiv? Ehe ich mich versah, war ich stinksauer und wir stritten uns heftig. Früher hatte ich solche Anfälle nie. Aber das werde ich ihm ganz bestimmt nicht erklären.
Nachtschweiß ist auch so ein Spaß. Morgens springen die Jungs manchmal für eine Kuschelrunde zu uns ins Bett. „Ihh, Mama, das Laken ist auf deiner Seite ganz nass“, ruft mein jüngster Sohn und verzieht angeekelt das Gesicht. Beschämt rutsche ich ein Stück zur Seite. Und darüber werde ich dann auch wieder wütend. Auf mich selbst.
Warum verrenke ich mich eigentlich so? Warum sage ich es nicht einfach? „Ja, Jungs, so läuft das eben bei alten Mädchen. Das sind die Wechseljahre.“ Aber nein. Stattdessen verziehe ich keine Miene und halte den Mund. Ich stehe schnell auf, um Frühstück zu machen oder die Waschmaschine anzustellen. Alles viel wichtiger.
Mit meiner Schlaflosigkeit ist es genauso. Ich wache mitten in der Nacht auf. Dann fange ich an zu grübeln, wälze mich hin und her, sehr viel hin und her. Davon wird mein Mann wach – und genau das ist der Plan. Jetzt kann ich meine Sorgen mit ihm teilen. Er muss schließlich wissen, was mich alles beschäftigt. Dass er dann murmelt: „Muss das wirklich um drei Uhr nachts sein?“, kann mich innerhalb von Sekunden in den Wahnsinn treiben. Ich habe lauter besorgniserregende Gedanken und er dreht sich einfach um und schnarcht weiter. Unfassbar nervig. Ich werde richtig wütend. Aber über die Wechseljahre sprechen? Auf keinen Fall.
Wovor habe ich eigentlich Angst? Dass er mich auslacht? Mich welk findet? Nicht mehr sexy? Dass er plötzlich fremdgeht? Wohl kaum. Natürlich sind das lächerliche Gedanken. Ich muss einfach aufhören, so zu tun, als wäre ich nicht in den Wechseljahren. Ich muss es ja nicht gleich in die Welt hinausposaunen. Aber ich sollte aufhören, mir deswegen so einen Kopf zu machen. Ihm ist meine endende Fruchtbarkeit nämlich ziemlich egal. Er hat wirklich andere Dinge im Kopf.
Manchmal schäme ich mich beim Sex für meinen Körper, wenn ich oben sitze. Er nicht. Er genießt es. Dass ihm nichts auffällt, ist eigentlich nur angenehm. Denn die Wechseljahre sind vielleicht nicht besonders sexy. Aber ein Mann, der ständig über deine Wechseljahre redet – das ist erst richtig abtörnend.
Text: Barbara van Erp

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Elke, 50: „Auf keinen Fall erzähle ich ihm, dass ich in den Wechseljahren bin“
Elke, 50, ist seit vier Jahren in den Wechseljahren – und ihr Mann weiß nichts davon: „Ich habe Angst, dass er mich dann nicht mehr sexy findet.“
Die Schublade des Badezimmerschranks schließt nicht richtig. Genervt drücke ich sie zu. Sofort springt sie wieder auf. Ich drücke noch fester. Offenbar steckt hinten irgendetwas fest. Ich ziehe die Schublade ganz heraus, zwänge meine Hand zwischen Rückseite und Schrankwand und fuchtle mit dem Arm in dem entstandenen Hohlraum herum. Moment, da ist etwas. Eine Pappschachtel. Ich ziehe daran. Der Karton reißt und mein Arm schnellt mit voller Wucht zurück. Lange weiße Hülsen fliegen durch die Gegend. Tampons! Ich wusste gar nicht, dass ich noch welche hatte.
Als meine Periode zum ersten Mal ausblieb, dachte ich: Scheiße, ich bin schwanger. Mit Dampf aus den Ohren rannte ich zur Drogerie und kaufte einen Schwangerschaftstest. Die Hausmarke. Ich konnte es nicht fassen. Vielleicht doch noch ein Nachzügler. Zu Hause machte ich den Test. Nur ein Strich. Wie konnte das sein? Ich raste zurück zur Drogerie und kaufte einen neuen Test. Diesmal von einer richtigen Marke. Zweiter Versuch. Wieder nicht schwanger. Ich war erleichtert. Und auch ein bisschen enttäuscht. Wäre doch eigentlich ganz schön gewesen, noch so ein kleiner Wonneproppen. Aber was war dann los? Ich vereinbarte einen Termin bei meiner Hausärztin und erzählte ihr besorgt von meinen Testabenteuern. Sie sah mich lachend an und sagte: „Mensch, das ist dein Alter.“
Plötzlich fühlte ich mich alt und welk. Die Frau, deren Eier aufgebraucht sind. Die Frau, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Monate vergingen. Ab und zu kam doch noch ein bisschen Blut. Hurra, ich war also noch nicht völlig abgeschrieben.
Jetzt bin ich fünfzig und seit vier Jahren nicht mehr richtig menstruierend. Mit meinen Freundinnen spreche ich darüber, mit meinem Mann nie. Er hat keine Ahnung. Würde er mich direkt fragen, würde ich ihn nicht anlügen. Das wäre ja völlig absurd. Aber von mir aus einfach so damit anfangen? Mache ich auch nicht. Ich will nicht, dass er mich für alt und ausrangiert hält. Was natürlich lächerlich ist. Das weiß ich selbst.
Ich vertusche sämtliche Anzeichen. Zum Beispiel meine Stimmungsschwankungen. Erst letztes Wochenende. Ich hatte Lust auf Sex, aber dann legte sich mein Mann nach dem Boxtraining für eine halbe Stunde aufs Sofa. Das machte mich wahnsinnig. Warum musste er ausgerechnet jetzt auf dem Sofa liegen? Endlich hatten wir Zeit für einen Quickie, und der Typ legt sich hin und pennt. Fand er mich überhaupt noch attraktiv? Ehe ich mich versah, war ich stinksauer und wir stritten uns heftig. Früher hatte ich solche Anfälle nie. Aber das werde ich ihm ganz bestimmt nicht erklären.
Nachtschweiß ist auch so ein Spaß. Morgens springen die Jungs manchmal für eine Kuschelrunde zu uns ins Bett. „Ihh, Mama, das Laken ist auf deiner Seite ganz nass“, ruft mein jüngster Sohn und verzieht angeekelt das Gesicht. Beschämt rutsche ich ein Stück zur Seite. Und darüber werde ich dann auch wieder wütend. Auf mich selbst.
Warum verrenke ich mich eigentlich so? Warum sage ich es nicht einfach? „Ja, Jungs, so läuft das eben bei alten Mädchen. Das sind die Wechseljahre.“ Aber nein. Stattdessen verziehe ich keine Miene und halte den Mund. Ich stehe schnell auf, um Frühstück zu machen oder die Waschmaschine anzustellen. Alles viel wichtiger.
Mit meiner Schlaflosigkeit ist es genauso. Ich wache mitten in der Nacht auf. Dann fange ich an zu grübeln, wälze mich hin und her, sehr viel hin und her. Davon wird mein Mann wach – und genau das ist der Plan. Jetzt kann ich meine Sorgen mit ihm teilen. Er muss schließlich wissen, was mich alles beschäftigt. Dass er dann murmelt: „Muss das wirklich um drei Uhr nachts sein?“, kann mich innerhalb von Sekunden in den Wahnsinn treiben. Ich habe lauter besorgniserregende Gedanken und er dreht sich einfach um und schnarcht weiter. Unfassbar nervig. Ich werde richtig wütend. Aber über die Wechseljahre sprechen? Auf keinen Fall.
Wovor habe ich eigentlich Angst? Dass er mich auslacht? Mich welk findet? Nicht mehr sexy? Dass er plötzlich fremdgeht? Wohl kaum. Natürlich sind das lächerliche Gedanken. Ich muss einfach aufhören, so zu tun, als wäre ich nicht in den Wechseljahren. Ich muss es ja nicht gleich in die Welt hinausposaunen. Aber ich sollte aufhören, mir deswegen so einen Kopf zu machen. Ihm ist meine endende Fruchtbarkeit nämlich ziemlich egal. Er hat wirklich andere Dinge im Kopf.
Manchmal schäme ich mich beim Sex für meinen Körper, wenn ich oben sitze. Er nicht. Er genießt es. Dass ihm nichts auffällt, ist eigentlich nur angenehm. Denn die Wechseljahre sind vielleicht nicht besonders sexy. Aber ein Mann, der ständig über deine Wechseljahre redet – das ist erst richtig abtörnend.
Text: Barbara van Erp




